Lernabschnitt
Triebwerkgruppen und Seildurchmesser
Wie oft und wie schwer beladen ein Seiltrieb läuft, bestimmt seine Triebwerkgruppe – und die wiederum, mit welchem Beiwert der minimale Seildurchmesser berechnet wird.
Quelle: Folien 53–58
Triebwerkgruppen-Einstufung
Seiltriebe werden in Triebwerkgruppen eingeteilt – abhängig von zwei Größen: der Laufzeitklasse (mittlere tägliche Laufzeit bezogen auf ein Jahr, bis ) und dem Lastkollektiv (leicht, mittel, schwer).
Das Lastkollektiv wird über den kubischen Mittelwert bestimmt. Die genaue Berechnung nach DIN 15020, S. 10 berücksichtigt tragfähigkeitsbezogene Nutzlastanteile, Totlastanteile und betriebsdauerbezogene Zeitanteile:
Der berechnete Wert ordnet den Seiltrieb einem Lastkollektiv zu:
- leicht:
- mittel:
- schwer:
Aus der Kombination von Laufzeitklasse und Lastkollektiv ergibt sich nach Tab. 1 DIN 15020-1 die Triebwerkgruppe (1Em bis 5m): Lastkollektiv 1 (leicht) deckt die Gruppen 1Em bis 4m ab, Lastkollektiv 2 (mittel) 1Em bis 5m, Lastkollektiv 3 (schwer) 1Dm bis 5m.
Eine Sonderregel: Beträgt die Arbeitsspieldauer mindestens 12 Minuten, darf der Seiltrieb um eine Triebwerkgruppe niedriger eingestuft werden.

Merksatz
Kleiner k = leichteres Lastkollektiv. Je häufiger/länger der Seiltrieb läuft und je schwerer die Lasten, desto höher die Triebwerkgruppe.
Seildurchmesser über den Beiwert c
Der minimale Seildurchmesser lässt sich direkt aus der vorhandenen Seilzugkraft und einem Beiwert berechnen:
Der Beiwert (in ) fasst dabei die technische Sicherheit (Verhältnis von rechnerischer Bruchkraft zur Seilzugkraft ), den Verseilverlustfaktor , den Füllfaktor und die Nennfestigkeit der Einzeldrähte zusammen:
Hergeleitet wird das so: Die erforderliche Sicherheit ist das Verhältnis von Mindestbruchkraft zu Seilzugkraft:
Löst man diese Gleichung nach auf, ergibt sich wieder die kompakte Form mit dem Beiwert :
Merksatz
c bündelt Sicherheit, Verseilverlust, Füllfaktor und Drahtfestigkeit in einer einzigen Zahl – der minimale Seildurchmesser ist dann nur noch Wurzel aus der Seilzugkraft mal c.
Beiwert c aus Tabellenwerten
In der Praxis wird nicht jedes Mal neu hergeleitet, sondern aus Tab. 2 DIN 15020-1 abgelesen – abhängig von:
- der Triebwerksgruppe (1Em bis 5m)
- der Transportart (übliche vs. gefährliche Transporte)
- der Seilart (nicht drehungsfrei vs. drehungsfrei/drehungsarm)
- der Nennfestigkeit (1570 bis 2450 N/mm²)
Für die Triebwerksgruppen 1Em, 1Dm und 1Cm gilt eine zusätzliche Sicherheitsanforderung: Das Verhältnis von rechnerischer Seilbruchkraft zu rechnerischer Seilzugkraft muss mindestens 3,0 betragen. Zusätzlich gibt es Sonderregelungen für Serienhebezeuge, gefährliche Transporte sowie hochfeste Drahtseile der Festigkeitsklassen 2160 und 2450 N/mm².
Merksatz
c kommt in der Praxis aus der Tabelle, nicht aus der Formel – die Formel erklärt nur, WAS in c steckt.