Seilrollen und Seiltrommeln

Lernabschnitt

Seilrollen und Seiltrommeln

Seilrollen lenken das Seil schonend um, Seiltrommeln speichern es und treiben es an — für beide gelten nach DIN 15020-1 ähnliche Dimensionierungsregeln.

Quelle: Folien 69–79

Seilrollen — Bauarten

Seilrollen dienen der schonenden Seilumlenkung. Es werden allgemein zwei Arten entsprechend ihrer Herstellung unterschieden:

  • gegossene Seilrollen — meist mit Gleitlagerung
  • geschweißte Seilrollen — meist mit Wälzlagerung
Seilrollen-Konstruktion im Längsschnitt
Konstruktion von Seilrollen (Folie 69)

Merksatz

gegossen + Gleitlagerung vs. geschweißt + Wälzlagerung — die typische Paarung von Herstellungsart und Lagerung.

Mindest-Seilrollendurchmesser (D/d-Verhältnis)

Nach DIN 15020-1 gilt für den minimalen Seilrollendurchmesser dRmind_{Rmin} (bezogen auf Seilmitte):

dRmin=h1h2dSmind_{Rmin} = h_1 \cdot h_2 \cdot d_{Smin}

  • h1h_1 berücksichtigt die Biegebeanspruchung und hängt von der Seiltriebgruppe sowie der Seilkonstruktion ab. Richtwerte: h1=11,231,5h_1 = 11{,}2 \dots 31{,}5 bei Seilrollen, h1=1020h_1 = 10 \dots 20 bei Ausgleichsrollen.
  • h2h_2 berücksichtigt die Biegerichtung im Seiltrieb und hängt von dessen Anordnung ab: h2=11,25h_2 = 1 \dots 1{,}25.

Damit das Seil in der Rille nicht unzulässig gepresst wird, muss der Rillenhalbmesser rr an den Seilnenndurchmesser dSd_S angepasst sein. Mindestwert:

r=0,525dSr = 0{,}525 \, d_S

Rillenprofile sind für Seilrollen nach DIN 15061 Teil 1 bzw. DIN 15062 normativ festgelegt.

Merksatz

dRmin=h1h2dSmind_{Rmin} = h_1 \cdot h_2 \cdot d_{Smin} — der Rollendurchmesser hängt immer von beiden Beiwerten ab, nicht nur von einem.

Seilrollen-Dimensionierung — Beiwert h1 nach Triebwerkgruppe

Der Beiwert h1h_1 bestimmt die Mindestabmessungen von Seiltrommel, Seilrolle und Ausgleichrolle in Abhängigkeit von der Triebwerkgruppe und dem Seiltyp (nach DIN 15020-1):

TriebwerkgruppeSeiltrommel (nicht drehungsfrei / drehungsfrei bzw. drehungsarm)Seilrolle (nicht drehungsfrei / drehungsfrei bzw. drehungsarm)Ausgleichrolle (nicht drehungsfrei / drehungsfrei bzw. drehungsarm)
1Em10 / 11,211,2 / 12,510 / 12,5
1Dm11,2 / 12,512,5 / 1410 / 12,5
1Cm12,5 / 1414 / 1612,5 / 14
1Bm14 / 1616 / 1812,5 / 14
1Am16 / 1818 / 2014 / 16
2m18 / 2020 / 22,414 / 16
3m20 / 22,422,4 / 2516 / 18
4m22,4 / 2525 / 2816 / 18
5m25 / 2828 / 31,518 / 20

Drehungsfreie bzw. drehungsarme Drahtseile brauchen im Regelfall größere Beiwerte h1h_1 als nicht drehungsfreie Drahtseile. Seilrollen in Greifern können unabhängig vom restlichen Seiltrieb nach der Triebwerkgruppe 1Bm dimensioniert werden.

Merksatz

Höhere Triebwerkgruppe + drehungsfreies Seil = größerer h1 = größerer Mindestdurchmesser.

Bemessung der Seilrillen

Die Biegewechselzahl bis zur Ablegereife und zum Bruch erreicht ihr Maximum bei einem optimalen Rillendurchmesser von:

Rillendurchmesser=Seilnenndurchmesser+6%\text{Rillendurchmesser} = \text{Seilnenndurchmesser} + 6\%

Drei Fälle:

  • Bereich A — Rillendurchmesser zu gering: Das Seil klemmt in der Rille → extrem verringerte Lebensdauer.
  • Bereich B — optimaler Rillendurchmesser (Seilnenndurchmesser + 6 %) → maximale Biegewechselzahl.
  • Bereich C — Rillendurchmesser zu groß: unzureichende Unterstützung des Seils → Deformationen, ebenfalls verringerte Lebensdauer.
Geschädigtes Drahtseil mit Verschleißspuren
Seilverschleiß (Folie 73)

Merksatz

Weder zu eng (klemmt) noch zu weit (keine Unterstützung) — das Optimum liegt bei Seilnenndurchmesser + 6 %.

Seiltrommeln — Aufbau

Seiltrommeln dienen dem Seilantrieb bei gleichzeitiger Seilspeicherung. Es werden unterschieden:

  • Wickeltrommeln
  • Seiltrommeln mit Rillen

Eine Seiltrommel mit Seilbefestigung und Trommelzahnkupplung (für einen Zwillingsflaschenzug) besteht u. a. aus: Trommel-Zahnkupplung, Schmierrohr, Bordscheibe links/rechts, Doppelklemme (insgesamt 3 über einen Bogen von π/2\pi/2), Trommelmantel, Seilrillen linksgängig/rechtsgängig, Versteifungskegel und Achsstummel für das Trommellager.

Bei mehrlagiger Wicklung muss das Seil sauber in den Rillen der Trommel geführt werden.

Wickeltrommel mit mehrlagiger Seilwicklung
Prinzip der Wickeltrommel (Folie 74)

Merksatz

Wickeltrommel = ohne feste Rillenführung, Rillentrommel = mit Rillen für saubere Seilführung — besonders wichtig bei mehrlagiger Wicklung.

Trommel-Dimensionierung

Für Seiltrommeln gilt für den Mindesttrommeldurchmesser dTmind_{Tmin} dieselbe Berechnungsvorschrift wie für Seilrollen:

dTmin=h1h2dSmind_{Tmin} = h_1 \cdot h_2 \cdot d_{Smin}

Hier gilt h1=1028h_1 = 10 \dots 28 und h2=1h_2 = 1, bestimmt nach DIN 15020/1. Die Rillenprofile für Trommeln sind in DIN 15061 Teil 2 festgelegt (die Beiwert-Tabelle nach Triebwerkgruppe ist dieselbe wie bei den Seilrollen, siehe oben).

Für die bewickelte Trommellänge lTl_T gilt:

lT=zWsl_T = z_W \cdot s

mit der erforderlichen Windungszahl zWz_W und der Rillensteigung ss (Abstand zwischen zwei Rillen).

Die erforderliche Windungszahl zz ergibt sich aus der aufzuwickelnden Seillänge lSl_S im Verhältnis zum Trommelumfang, zuzüglich Sicherheitswindungen:

z=lSdTπ+(23)z = \frac{l_S}{d_T \cdot \pi} + (2 \dots 3)

Merksatz

Trommeldurchmesser wie bei der Rolle berechnen (h1h2dSminh_1 \cdot h_2 \cdot d_{Smin}), Trommellänge zusätzlich über Windungszahl und Rillensteigung.