Lernabschnitt
Macharten und Schlagarten
Nach der Litze folgt der letzte Verseilschritt: die Litzen werden zum fertigen Seil verseilt. Hier lernst du die Machart-Unterscheidung (einfach vs. zweifach verseilt) sowie die Schlagarten der Rundlitzenseile.
Quelle: Folien 26–33
Verseilvorgang und Einteilung nach Verseilprozessen
Beim Verseilvorgang erhalten Drähte bzw. Litzen eine schraubenförmige Lage in der Litze bzw. im Seil. Nach der Anzahl der Verseilprozesse unterscheidet man:
- einfach verseilte Drahtseile
- zweifach verseilte Drahtseile
- dreifach verseilte Drahtseile
Merksatz
Die Anzahl der Verseilprozesse bestimmt die Machart: 1× verseilt = Spiralseil, 2× verseilt = Litzenseil.
Einfach verseilte Drahtseile (Spiralseile)
Einfach verseilte Drahtseile bestehen nur aus einer Litze und werden Spiralseile genannt, obwohl eine Schraubenlinie vorliegt. Um die Drehneigung zu verringern, werden — anders als bei der Litze — aufeinanderfolgende Drahtlagen jeweils mit entgegengesetzter Schlagrichtung verseilt.
Spiralseile haben einen hohen Füllungsgrad:
wobei die metallische Querschnittsfläche und die Seilquerschnittsfläche ist.
Eigenschaften: Spiralseile sind wenig biegsam und übertragen große Zugkräfte — sie eignen sich deshalb als stehende Seile (Tragseile). Halb- und vollverschlossene Spiralseile besitzen eine Außenlage aus Formdrähten, was eine glatte Oberfläche und geringe Korrosion ergibt. Man unterscheidet offene, halbverschlossene und vollverschlossene Spiralseile. Vollverschlossene Seile erreichen Durchmesser von 18 bis 150 mm und maximale Bruchkräfte bis 15 MN.

Merksatz
Spiralseil = 1 Litze, 1 Verseilvorgang, wenig biegsam, hoher Füllungsgrad (–) — Einsatz als stehendes Seil (Tragseil).
Zweifach verseilte Drahtseile (Litzenseile)
Zweifach verseilte Drahtseile (Litzenseile) bestehen aus mehreren Litzen, die in einer oder mehreren Lagen schraubenlinienförmig um eine Einlage verseilt sind (2. Schlagvorgang). Sie sind biegsamer als Spiralseile und deshalb als bewegte Seile geeignet. Füllgrad:
Einteilung der Seilarten:
- Rundlitzenseile — am häufigsten verwendet, Seildurchmesser
- Dreikantlitzenseile — verlieren an Bedeutung
- Flachlitzenseile — Breite , Dicke ; Einsatz bei Schachtförderanlagen und Treibscheibenantrieb
Nach DIN EN 12385-2 / VDI 2358 werden zweifach verseilte Drahtseile weiter in Konstruktionsformen eingeteilt: einlagiges Rundlitzenseil, Spiral-Rundlitzenseil, Parallel-Rundlitzenseil, Dreikantlitzenseil und dreilagiges Flachlitzenseil.

Merksatz
Litzenseil = mehrere Litzen, 2 Verseilvorgänge, biegsamer als Spiralseile — Einsatz als bewegtes Seil.
Schlagarten der Rundlitzenseile
Rundlitzenseile werden nach Schlagart (Gleichschlag oder Kreuzschlag) und Schlagrichtung (rechts- oder linksgängig) unterschieden. Die Kennzeichnung erfolgt über zwei Buchstaben:
- Kleinbuchstabe = Schlagrichtung der Drähte in den Litzen
- Großbuchstabe = Schlagrichtung der Litzen im Seil
Daraus ergeben sich vier Kombinationen: zZ, sS (Gleichschlag) sowie sZ, zS (Kreuzschlag).

Merksatz
zZ/sS = Gleichschlag (gleiche Schlagrichtung), sZ/zS = Kreuzschlag (entgegengesetzte Schlagrichtung).
Kreuzschlag vs. Gleichschlag
Kreuzschlagseile (sZ, zS): Die Schlagrichtung der Drähte in den Litzen ist entgegengesetzt zur Schlagrichtung der Litzen im Seil.
- Vorteil: geringerer Drall
- Nachteil: geringere Lebensdauer, da schlechtere Auflageverhältnisse
Gleichschlagseile: Drähte in den Litzen und Litzen im Seil haben die gleiche Schlagrichtung.
- Vorteil: bessere Auflageverhältnisse, höhere Lebensdauer
- Nachteil: Neigung zum Aufdrehen
| Machart | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Kreuzschlag (sZ/zS) | geringerer Drall | geringere Lebensdauer |
| Gleichschlag (zZ/sS) | bessere Auflageverhältnisse, höhere Lebensdauer | Neigung zum Aufdrehen |

Merksatz
Kreuzschlag = wenig Drall, aber kürzere Lebensdauer. Gleichschlag = längere Lebensdauer, aber neigt zum Aufdrehen.
Spannungsarme und drehungsfreie Seile
Spannungsarmes Seil (drallarm): Ein Seil ist spannungsarm, wenn Litzen und Drähte nach dem Entfernen der Abbindungen vom Seilende nicht oder nur wenig aus dem Seilverband treten. Die Herstellung erfolgt nach besonderen Verseilverfahren.
Drehungsfreies Seil (drehungsarm): Ein Seil ist drehungsfrei bzw. drehungsarm, wenn es sich unter einer in Richtung der Seilachse wirkenden, ungeführten Kraft nicht oder nur wenig um seine Längsachse dreht. Erreicht wird das durch besondere Konstruktionen (mehrlagiges Rundlitzenseil, Flachlitzenseil, Flechtseil u. a.) sowie durch entgegengesetzt wirkende Drehmomente von Herzseil und Außenlage.
Merksatz
Spannungsarm = Litzen/Drähte bleiben nach Lösen der Abbindung im Verband. Drehungsfrei = Seil dreht sich unter axialer Last kaum um die eigene Achse.